Wertpapiere mit Wertschätzung

Verantwortung gerecht werden.

Aufgemerkt - eine franziskanische Kolumne

Corona und die Fastenzeit

Von Johannes B. Freyer ofmMissionszentrale der Franziskaner e. V.

Menschen, die noch vom christlichen Lebensrhythmus geprägt sind, begehen in diesen Wochen die Fastenzeit. In Erinnerung an das 40-tägige Fasten von Jesus soll der Mensch durch bewussten Verzicht wieder freier werden für das wirklich Wesentliche des Lebens. Dabei geht es nicht nur um den Verzicht auf ein Stück Schokolade oder das gewohnte Glas Alkohol. Diese Symbolhandlungen sollen vielmehr eine Besinnung auf das, was im Leben wirklich wichtig ist unterstützen und ein Umdenken, das sich auf den Glauben besinnt, fördern. Es geht darum sich wieder auf die Werte zu besinnen, die nach dem Evangelium, ein gerechteres, friedvolleres Zusammenleben möglich machen. Dabei rücken besonders die Hilfe für die Armen und auch eine erneuerte Frage nach Gott in den Mittelpunkt. Natürlich steht es jedem frei, sich auf die ein oder andere Art und Weise, dem Aufruf zu Verzicht und Besinnung anzuschließen.

In diesen Wochen, vielleicht für Monate, wird den Menschen auf der ganzen Welt eine ‚Fastenzeit‘ aufgezwungen, ob sie wollen oder nicht. Einreisebeschränkungen, Schließungen von Schulen, Kindergärten und nicht unbedingt lebensnotwendiger Geschäfte. Der Corona-Virus zwingt zum Verzicht auf Vergnügen, Konsum und freie Bewegung. Die Natur lehrt uns Menschen jetzt schmerzlich, dass sie doch stärker ist als unsere Illusion des Alles- Machbaren und unser Glaube an den ewigen Fortschritt. Der Virus bringt das ‚Wirtschafts-Dogma‘ von der notwendigen fortschreitenden Gewinnsteigerung zu Fall. Natürlich brauchen wir jetzt die Forschung, die so schnell als möglich medizinische Abhilfe findet. Selbstverständlich bedarf es jetzt staatlicher Hilfen, um vor allem kleine und mittlere Betriebe und Unternehmen zu retten, sowie größere vor dem Kollaps zu schützen.

Darüber hinaus kann diese aufgezwungene ‚Fastenzeit‘ aber auch eine Zeit des beginnenden Umdenkens werden. Vielleicht sollten wir doch mehr und schneller etwas tun, um das Gleichgewicht der Natur zu schützen und damit die Schöpfung, unser gemeinsames Haus, zu bewahren. Offenbar ist es doch an der Zeit das Neo-liberale Wirtschaftssystem und seine Dogmen vom ewigen Wachstum in Frage zu stellen, und andere Strukturen und Mechanismen ernsthaft in den Blick zu nehmen.

Wir müssen diese Krise als Auftrag zur Umkehr verstehen, wenn wir die Zukunft der Menschheit nicht weiterhin auf Sand bauen wollen. Ansätze dazu gibt es schon und sind auch schon von Vielen entschlossen aufgegriffen worden. Nachhaltiges und zukunftsträchtiges Wirtschaften ist jetzt angesagt.

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