Die Erfindung der guten Gewinne
Von der Gewissensprüfung zum Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden
Verantwortung als Ausgangspunkt
Franziskanische Werte verbinden wirtschaftliches Handeln mit ethischer Verantwortung
Ethik wird
zum Maßstab
Der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden übersetzt Haltung in überprüfbare Kriterien
Wirtschaft ganzheitlich betrachtet
Natur-, Sozial- und Kulturverträglichkeit bilden gemeinsam den Bewertungsrahmen
Der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden
Franziskanische Wirtschaftsethik beginnt nicht erst bei großen Vermögen oder Investmententscheidungen. Sie zeigt sich auch im alltäglichen Konsum, in Beschaffung, Verwaltung und im bewussten Umgang mit begrenzten Ressourcen. Soziale und ökologische Kriterien gelten nicht nur für die Anlage großer Rücklagen.
Kapital ist nie neutral
Geld ist weder grundsätzlich schlecht noch automatisch gut. Entscheidend ist, wie es erworben, angelegt und eingesetzt wird. Kapital kann Innovation, Teilhabe und ökologische Erneuerung fördern, aber auch Ausbeutung, Ungleichheit und Umweltzerstörung. Deshalb zählt nicht nur, wofür Gewinne verwendet werden, sondern bereits, wie Erträge entstehen und wohin Kapital fließt.
So führt diese bereits von den ersten Franziskanern
gelebte Sicht auf Wirtschaft direkt in die Gegenwart. Sie verbindet wirtschaftliche Vernunft mit einer klaren ethischen Orientierung: Geld soll wirken können – aber bitte gerne im Dienst von Menschenwürde, Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung.
Deshalb stellt sich nicht nur die Frage, ob ein Unternehmen nach anerkannten Nachhaltigkeitskriterien gut bewertet ist – sondern auch, ob sein wirtschaftliches Handeln zu einem franziskanischen Verständnis von Verantwortung passt und mit den Grundwerten der franziskanischen Spiritualität vereinbar ist. Wirtschaft wird dabei nicht als wertfreier Raum verstanden. Sie wirkt auf Menschen, auf Lebensbedingungen, auf Gemeinschaften und auf die natürlichen Grundlagen unseres Lebens. Das gilt auch für die Geldanlage. Auf modernen Kapitalmärkten ist jedoch kaum unmittelbar erkennbar, wohin Kapital fließt und welche Entwicklungen
es fördert. Zwischen Anlageentscheidung und Wirkung liegen Unternehmen, Geschäftsmodelle, Lieferketten und Finanzprodukte.Eine ethische Haltung allein macht diese Zusammenhänge noch nicht sichtbar. Sie braucht nachvollziehbare Maßstäbe, die Orientierung in überprüfbare Anlageentscheidungen übersetzen. An diesem Punkt trifft der franziskanische Anspruch auf eine umfassendere Suche nach Kriterien für verantwortbares Wirtschaften.
Als Ethik gefragt wurde
Der Bedarf nach solchen Maßstäben entstand seit den 1970er-Jahren, als unbegrenztes Wirtschaftswachstum zunehmend infrage gestellt wurde. Der Bericht „The Limits
to Growth“ des Club of Rome von 1972 zeigte die Grenzen steigenden Ressourcenverbrauchs. Zugleich rückten soziale und ökologische Folgen wirtschaftlichen Handelns stärker in den Fokus.
Damit veränderte sich auch der Blick auf Kapitalanlagen: Neben Sicherheit und Rendite wurde relevant, welche Unternehmen und Entwicklungen Investitionen fördern.
Für Kirchen und Ordensgemeinschaften entstand ein Spannungsfeld zwischen notwendiger Vermögensvorsorge und ethischen Grundsätzen. Auch für die Franziskaner wurde dieser Konflikt bei der Anlage ihrer Altersrücklagen konkret.
Da die etablierten Bewertungsmethoden der Finanzwelt dafür noch keine systematische Lösung boten, beauftragten Vertreter der Deutschen Bank 1989 den Moraltheologen und Wirtschaftsethiker Johannes Hoffmann mit der Entwicklung entsprechender Kriterien. Gemeinsam mit Gerhard Scherhorn, Professor in Hohenheim und Vordenker nachhaltigen Wirtschaftens, gründete er 1992 die Forschungsgruppe „Ethisch-ökologisches Rating“. Der spätere Name des Leitfadens verweist auf ihre Wirkungsorte: Frankfurt und Hohenheim.
Die drei Säulen des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens
Naturverträglichkeit
Ressourcen, Klima und Ökosystemebilden die Grundlage einer jedenunternehmerischen Tätigkeit.
Untersucht werden Energie- und Rohstoffverbrauch, Emissionen und Abfälle ebenso wie der Umgang mit Wasser, Böden, Artenvielfalt, Transportwegen und eingesetzten Technologien. Dabei zählt nicht nur der eigene Standort. Auch Lieferketten, Herstellung, Nutzung und Entsorgung der Produkte fließen in die Beurteilung ein. Maßgeblich ist, ob Belastungen systematisch reduziert, Stoffkreisläufe verbessert und langfristige Folgen für Umwelt und kommende Generationen berücksichtigt werden.
Sozialverträglichkeit
Wirtschaftliche Entscheidungen wirken auf viele Menschen – weit über die eigene Belegschaft hinaus.
Berücksichtigt werden Beschäftigte, Zulieferer, Kundinnen und Kunden sowie die Bevölkerung an den jeweiligen Standorten. Im Fokus stehen faire Bezahlung, sichere Arbeitsbedingungen, Gleichbehandlung, Mitbestimmung und die Achtung der Menschenrechte. Hinzu kommen Produktsicherheit und der Umgang mit besonders schutzbedürftigen Gruppen. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen seine sozialen Risiken selbst trägt oder sie entlang der Lieferkette auf andere abwälzt.
Kulturverträglichkeit
Unternehmen prägen nicht nur Märkte, sondern auch das gesellschaftliche Zusammenleben.
Ihre Geschäftsmodelle, Produkte und ihr Umgang mit Macht beeinflussen persönliche Freiheiten, Teilhabe, kulturelle Vielfalt und das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen. Deshalb werden Auswirkungen auf Gemeinwohl, Frieden, Gerechtigkeit und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten berücksichtigt – also der Beitrag zu einer offenen und solidarischen Gesellschaft, in der unterschiedliche Lebensweisen respektiert werden.
Die terrAssisi-Fondsfamilie
Ethische Geldanlagen für Rendite mit Verantwortung