Die Erfindung der guten Gewinne
Der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden macht ethische Verantwortung bewertbar und schafft klare Maßstäbe für verantwortungsvolles Wirtschaften.
Verantwortung als
Ausgangspunkt
Franziskanische Werte verbinden wirtschaftliches Handeln mit ethischer Verantwortung
Ethik wird
zum Maßstab
Der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden übersetzt Haltung in überprüfbare Kriterien
Wirtschaft ganzheitlich
betrachtet
Natur-, Sozial- und Kulturverträglichkeit bilden gemeinsam den Bewertungsrahmen
Der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden
Franziskanische Wirtschaftsethik beginnt nicht erst bei großen Vermögen oder Investmententscheidungen. Sie zeigt sich auch im alltäglichen Konsum, in Beschaffung, Verwaltung und im bewussten Umgang mit begrenzten Ressourcen. Soziale und ökologische Kriterien gelten nicht nur für die Anlage großer Rücklagen.
Kapital ist nie neutral
Geld ist weder grundsätzlich schlecht noch automatisch gut. Entscheidend ist, wie es erworben, angelegt und eingesetzt wird. Kapital kann Innovation, Teilhabe und ökologische Erneuerung fördern, aber auch Ausbeutung, Ungleichheit und Umweltzerstörung. Deshalb zählt nicht nur, wofür Gewinne verwendet werden, sondern bereits, wie Erträge entstehen und wohin Kapital fließt. Diese Sicht auf Wirtschaft verbindet wirtschaftliche Vernunft mit einer klaren ethischen Orientierung: Geld soll wirken können – im Dienst von Menschenwürde, Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Schöpfungsverantwortung. Doch gerade an den Kapital-märkten ist oft nicht unmittelbar erkennbar, wohin Geld fließt und welche Entwicklungen damit unterstützt werden. Eine ethische Haltung braucht deshalb nachvollziehbare Maßstäbe, die Orientierung in konkrete Anlageentscheidungen übersetzen.
Als Ethik gefragt wurde
Seit den 1970er-Jahren wurde die Vorstellung unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums zunehmend hinterfragt. Soziale und ökologische Folgen rückten stärker in den Fokus – und damit auch die Frage, welche Unternehmen und Entwicklungen durch Kapitalanlagen unterstützt werden. Für Kirchen und Ordensgemeinschaften entstand daraus ein konkretes Spannungsfeld: Wie lassen sich notwendige Vermögensvorsorge und ethische Grundsätze miteinander vereinbaren? Auch für die Franziskaner stellte sich diese Frage bei der Anlage ihrer Altersrücklagen. 1989 beauftragten Vertreter der Deutschen Bank den Moraltheologen und Wirtschaftsethiker Johannes Hoffmann, Kriterien für eine verantwortbare Bewertung von Unternehmen und Kapitalanlagen zu entwickeln. Gemeinsam mit Gerhard Scherhorn gründete er 1992 die Forschungsgruppe „Ethisch-ökologisches Rating“.
Der spätere Name des Leitfadens verweist auf ihre Wirkungsorte: Frankfurt und Hohenheim.
Die Vermessung des Guten
Von Beginn an war die Forschungsarbeit interdisziplinär angelegt. Fachleute aus Ökonomie, Philosophie, Theologie, Sozial- und Naturwissenschaften entwickelten gemeinsam einen Bewertungsrahmen, der wirtschaftliches Handeln nicht allein ökonomisch, sondern auch ökologisch, sozial und kulturell betrachtet. 1997 entstand daraus der Frankfurt-Hohenheimer Leitfaden. Rund 850 Einzelkriterien betrachten wirtschaftliches Handeln aus drei miteinander verbundenen Perspektiven: Naturverträglichkeit, Sozialverträglichkeit und Kulturverträglichkeit. Dieser Grundgedanke wirkt bei terrAssisi bis heute fort. Die wissenschaftlich fundierte Nachhaltigkeitsbewertung wird durch eine eigenständige franziskanische Prüfung ergänzt. Sie ersetzt die sachliche Analyse nicht, sondern erweitert sie um eine ethische Perspektive. So wird zusätzlich gefragt, wie Gewinne entstehen, wie Unternehmen mit Ressourcen umgehen, welche Verantwortung sie für ihre Auswirkungen übernehmen und welchen Beitrag sie zu einer Wirtschaft leisten, die dem Menschen dient.
Die drei Säulen des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens
Naturverträglichkeit
Ressourcen, Klima und Ökosystemebilden die Grundlage einer jedenunternehmerischen Tätigkeit.
Untersucht werden Energie- und Rohstoffverbrauch, Emissionen und Abfälle ebenso wie der Umgang mit Wasser, Böden, Artenvielfalt, Transportwegen und eingesetzten Technologien. Dabei zählt nicht nur der eigene Standort. Auch Lieferketten, Herstellung, Nutzung und Entsorgung der Produkte fließen in die Beurteilung ein. Maßgeblich ist, ob Belastungen systematisch reduziert, Stoffkreisläufe verbessert und langfristige Folgen für Umwelt und kommende Generationen berücksichtigt werden.
Sozialverträglichkeit
Wirtschaftliche Entscheidungen wirken auf viele Menschen – weit über die eigene Belegschaft hinaus.
Berücksichtigt werden Beschäftigte, Zulieferer, Kundinnen und Kunden sowie die Bevölkerung an den jeweiligen Standorten. Im Fokus stehen faire Bezahlung, sichere Arbeitsbedingungen, Gleichbehandlung, Mitbestimmung und die Achtung der Menschenrechte. Hinzu kommen Produktsicherheit und der Umgang mit besonders schutzbedürftigen Gruppen. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen seine sozialen Risiken selbst trägt oder sie entlang der Lieferkette auf andere abwälzt.
Kulturverträglichkeit
Unternehmen prägen nicht nur Märkte, sondern auch das gesellschaftliche Zusammenleben.
Ihre Geschäftsmodelle, Produkte und ihr Umgang mit Macht beeinflussen persönliche Freiheiten, Teilhabe, kulturelle Vielfalt und das Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen. Deshalb werden Auswirkungen auf Gemeinwohl, Frieden, Gerechtigkeit und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten berücksichtigt – also der Beitrag zu einer offenen und solidarischen Gesellschaft, in der unterschiedliche Lebensweisen respektiert werden.
Mehr wissen!
Die terrAssisi
Fonds-Familie
Ethische Geldanlagen für Rendite mit Verantwortung